Bisherige Biere

Hier die bereits vorgestellten Biere, neue folgen in Bälde:

Buttenheim – Löwen Bräu – Bockbier 2013 (MHD 17-03-2014) 6,3% Vol. alc.

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Das ist mal ein spannender, weil anderer Bock: Mit ‚nur’ 6,3 Prozent Alkohol ja relativ untypisch im Vergleich zu anderen, zugegebenermaßen oft ‚doppelten’ Böcken mit mehr als 18% Stammwürze, ist schon die Farbe ungewöhnlich: Das bernsteinfarbene Erscheinungsbild erinnert erst mal an Weizen (-Böcke). Auch in der Nase könnte man flüchtig an Weizen denken, wäre da nicht der kräftige, aber sehr kräuterig-grün daherkommende Hopfen. Was sonst in der Nase zuerst hängenbleibt, ist karamellig, reif-fruchtige Süße, nein, nicht aufdringlich, eher komplex-gereift. Und genau das setzt sich auch am Gaumen fort: Cremig, vollmundig, karamellige Fruchtsüße. Wow! Sehr opulent, ohne mastig zu werden, aber eben überhaupt nicht mainstreamig-bockig mit Unmengen von Malzsüße und Unmengen von unambitionierter Hopfenbittere, leider zu keiner gemeinsamen Harmonie findend. Da dann schon lieber so was ‚Untypisches’ mit toller Malzsüße und –fruchtigkeit und sehr elegant, (fast schon zu elegant) eingebundener Hopfigkeit, wohlgemerkt feiner Provenienz. O.K., meine leichte Affinität zu richtig gut gemachten Märzenbieren spielt hier auch etwas mit rein.

GANZ EHRLICH? (Fazit): Spannend, probieren, echt mal was Anderes, macht richtig Spaß: 5 von 6 BBBB-Punkten.

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Ingolstadt – Herrnbräu: Weihnachtsbier 2013 (MHD 1-10-2014) 6,0% Vol. alc.

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Schön rot-golden im Glas, hebt sich die Farbe schon von den gängigen Weihnachtsfestbieren, sprich Märzenbieren ab. Als Festmärzen mit stattlichen 6 Prozent Alkohol ausgestattet, wirkt sich dies gleich auf das cremig Mundgefühl aus. Schöne, reif-fruchtige Malzsüße ist wesentlich tiefer als vieles Anderes, was ich in den letzten Jahren so probiert habe. Vom Stil her also deutlich ein kräftiges Märzen, im Abgang gut aber nicht auffallend gehopft, so dass die Malzfülligkeit den Geschmack dominiert.

 GANZ EHRLICH? (Fazit): Die Erwartungshaltung gegenüber eines Bieres einer zugegebenermaßen doch schon sehr großen Brauerei war nicht sehr hoch. Doch wurde ich sehr positiv überrascht, die schöne Malzfülle macht das Bier spannend und individuell. Freunde von Festmärzen werden es mögen! 4 von 6 BBBB-Punkten.

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Kelheim – Weisses Bräuhaus G. Schneider & Sohn: Aventinus Eisbock 2013 (MHD: 07.08.2018 (!)) alc. 12,0% Vol.

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Wenn sich jemand beschwert, es gäbe bei uns nur einheitliche, langweilige Biere, der hat den Eisbock von Schneider noch nicht probiert. Eigentlich kein richtig saisonales Bier, denn den Eisbock gibt’s ganzjährig, aber wen stört’s? Alkohol ist hier eindeutig Geschmacksträger, und es geht ja auch nicht darum, von diesem Bier fünf Maß in sich reinzuschütten. Wein trinkt Ihr doch auch (mal), oder? Also: Ganz im Stile belgischer Dubbel (Farbe) oder Tripel (Alkohol) haben die Schneiders unter Federführung ihres genialen Braumeisters Hans-Peter Drexler hier eine Essenz ihres Aventinus Weizenbocks hergestellt, der in der bayerischen Bierwelt seinesgleichen sucht. Hochprozentige Biere gibt es zwar genug, aber selten so was homogen-harmonisches getrunken wie den Aventinus Eisbock. Und das über mehrere Jahre hinweg konstant auf hohem Niveau. Dieser hier mit dem MHD 2018 wirkt alles in allem noch etwas frisch und bezüglich seiner Komplexität noch nicht ganz zusammengewachsen. Aber zum Glück hab ich die letzten Jahre immer genügend Fläschchen (0,33l) eingesammelt, um ihn in ordentlich gereiftem Zustand zu verkosten. (Empfehlung! Und hier sind wir wieder beim Wein: Da macht Ihr es doch ganz genau so!) Aber nun zur Beschreibung: Mahagoni, leicht hefetrüb in der Farbe ähnelt er natürlich seinem Ausgangsprodukt, dem Aventinus Weizenbock. In der Nase vermittelt dieser (junge) noch Noten von Blumenwiese, grünen Kräutern und Waldboden. In gereiftem Zustand kommen alle möglichen reifen Früchte hinzu, Pflaumen, Rumtopf… Am Gaumen hochviskos, Aromenexplosion, rote Früchte, Erdbeere, Schwarzkirsche, extreme Länge, Röstmalzvielfalt, einzigartig! DAS Bier zum Fest, zum Dessert, oder einfach nur so aus dem großen Weinglas. Wer ab und zu belgische, neue italienische, englische oder amerikanische Craft Beers probiert, weiß, was da auf einen zukommen kann. Preislich hält sich der Eisbock mit unter 2 (in Worten: Zwei) Euro pro Flasche dazu auch noch in einem unverschämt preiswerten Rahmen, vergleicht man das mal mit seinen internationalen Mitbewerbern.

GANZ EHRLICH? (Fazit): Kaufen, lagern (kühl, dunkel, stehend), reifen, querverkosten, Spaß haben und erkennen, zu welcher Vielfalt unsere Biere im Stande sind. 6 von 6 BBBB-Punkten.

P.S.: Ach ja, kaufen: Gibt’s zwar inzwischen auch online, aber für alle aus dem Großraum N/FÜ/ER hier ein Tipp in Fürth/Bislohe in der Industriestraße 2. Dort gibt’s auch die anderen Spezialnummern von Schneider in einem eigens dafür aufgestellten Spezialitätenregal sowie Unmengen Biere fränkischer Kleinbrauereien: www.getraenkeland24.de

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Pyras – Landbrauerei Pyras: Weihnachtsfestbier 2013 (MHD: 15.04.2014) alc. 6,1% Vol.

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Das klassische Weihnachtsfestbier der ‚kleinen’ Landbrauerei aus Pyras wird jedes Jahr mit dem aktuellen Jahrgangsetikett versehen. Helles Goldgelb, in der Nase zuerst fein-würzig-kräuterige Hopfenaromatik, dann schon deutliche helle Malznoten nach Süße und Honig. Am Gaumen dann präzise, frische Malzaromatik, wieder Honig und Malzsüße, durch kräftige Hopfengabe allerdings in Zaum gehalten, also äußerst trinkig komponiert. Im Abgang fällt der Hopfen dann nur noch durch lange, etwas nachhängende Bittere auf.

GANZ EHRLICH? Sauberes Bier, klassisches helles Festbier für alle, die so was mögen, super süffig und trinkig, ganz subjektiv aber nicht meine Art von Lieblingsbieren, deshalb auch nur ganz subjektive 3 von 6 BBBB-Punkten.

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Hallerndorf – Brauerei Lieberth: Pilsner alc. 4,8% Vol.

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Ok., zugegeben, kein saisonales Fest- oder Bockbier, sondern die ganzjährig erhältliche, einzige Sorte der Brauerei.

Da es sich bei diesem Bier um ein nicht so einfach mal an jeder Ecke erhältliches Getränk handelt und geschmacklich noch dazu äußerst erwähnenswert ist, hier die Vorstellung.

Gebraut von Inhaber und Braumeister Christian Volkmuth, ist es die einzige Sorte, die er herstellt (auch wenn auf anderen Internetseiten oder in anderen Quellen andere Infos kommuniziert werden). Auf meine Frage nach einem Bockbier ist er nicht wirklich eingegangen, es gab mal eins, einen Maibock, aber irgendwie lief der nicht…

Also nur ein Bier, mal davon abgesehen, dass es in der Gaststätte unfiltriert aus dem Fass läuft, in der Flasche aber filtriert ist. Auf dieses eine Bier konzentriert sich Christian Volkmuth und das merkt man auch:

Super frisch in der Nase, feine, dezente Malzfruchtigkeit wird sofort von authentischer Hopfenaromatik durchflochten. Und mit authentisch meine ich würzig-kräuterig-frisch-grün-animierend.

Am Gaumen schon stoffig, aber nicht mastig. Die Frische überwiegt auch hier. O.k., es ist kein extrem schlankes norddeutsches Pils, aber es ist sehr ausgewogen und trinkig.

GANZ EHRLICH? Das ist mal ein harmonisches und stimmiges Pils mit feinem, frischen Hopfenaroma und angenehmer Malzsüße. Gute 4 von 6 BBBB-Punkten.

 Zu Kaufen nur vor Ort, außer Ihr lebt im Umkreis des brauereieigenen Heimdienstes, den Christian auch noch selbst erledigt. Also noch eine wahrlich kleine fränkische Landbrauerei.

TIPP: Bier selbst einsammeln, und zwar am Besten an einem Freitag in einem Monat mit ,R‘. Klar, Karpfenzeit im Gasthaus Lieberth. Aber nur freitags und ohne Reservierung geht in der kleinen Gaststube eigentlich garnix. Dafür ist die Qualität des Karpfens, wenn Ihr einen Platz ergattert habt, umwerfend: Sensationelle Frische zeigen die Karpfen aus dem eigenen Teich hinterm Haus (,Vor einer halben Stund hat er noch glebt‘).

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Kelheim – Schneider Weisse: TAP X Mein Aventinus Barrique 2013 Limited Edition (MHD 16.08.2018) alc. 9,5% Vol.

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Da sind sie schon wieder, die Vorreiter in Sachen ,neuer‘ Bierqualitäten in Bayern (natürlich neben anderen Namen wie Camba Bavaria, Eric Toft oder Riegele in Augsburg, um nur einige zu nennen).

Unter dem Namen TAP X veröffentlicht Georg Schneider individuelle, limitierte Biere, mal im Sommer, mal im Winter, mal speziell gehopft, mal speziell gelagert. Die regulär erhältlichen Biere wurden vor einigen Jahren auch neu durchsortiert mit jeweiliger TAP- (engl. für Hahn) Nummer und zusätzlich neuem Etikett und zusätzlich neuer Namensbezeichnung, was bei den eingefleischten Schneider-Bräu-Trinkern für etwas Verwirrung gesorgt hat.

Aber nun zum aktuellen TAP X Mein Aventinus Barrique: Wie der Name schon sagt, ist die Basis der Aventinus Weizendoppelbock. Doch da kommt man durch eine reine Nachlagerung im Barrique nicht auf die angegebenen 9,5% Alkohol. Also fand auch ein nicht genau kommunizierter Anteil des Aventinus Eisbocks (siehe Eintrag vom 24.10.2013) Eingang in das Bier, das immer in schmucke 0,75l Mehrwegflaschen (!) gefüllt wird.

Gelagert wurden beide Biere in diversen Eichenholzbarriques verschiedenster Rot- und Weißweine, um dem Bier, wie im Beipackzettel kommuniziert, mehr Tiefe und Komplexität zu verleihen.

Dies ist gelungen. Nur wird der eingefleischte Aventinus- oder Schneider-Weisse-Trinker gleich zu Beginn etwas vor den Kopf gestoßen sein, denn das,was er hier im Glas hat, ähnelt nur ansatzweise bekannten Bieraromen. Durch die Reife im Fass treten fruchtig-zitronige Weinaromen zu den eh schon im Weizen vorhandenen selbigen aus Fruchtester resultierenden. Die fruchtig-zitronige Säurestruktur wird betont. Was dem ungeübten oder nicht reflektierenden Trinker schon mal als kaputtes Bier vorkommt, erweckt bei belgienaffinen Verkostern durchaus positive Assoziationen.

Bei der Verkostung im Rahmen unseres monatlichen Highland Circle Whisky-Tasting im Gelben Haus (Dank an Oli Kirschner auch für die Spende der Flasche) war der ein oder andere doch etwas verwirrt ob der ,eigentümlichen‘ Aromatik.

 Verkostungsnotiz: Zuerst Zitronenfrische, deutliche Fruchtsäure, dahinter tiefe, Aromen reifer Früchte, Schokolade, Vanille, leichte Eichenholzanklänge. Durchaus komplexe, aber eben nicht sofort und einfach erschließbare Aromenstruktur.

 GANZ EHRLICH? Bier für Fortgeschrittene, Bier für Verkostungen, nicht zum Trinken aus dem Maßkrug, teilweise anstrengende Säurestruktur, Nachdenken vorausgesetzt. Wer dazu nicht bereit ist: Finger weg. Für mich spannend obwohl nicht wirklich absolut konsensfähig. Aus diesem Grund ,nur‘ 3 von 6 BBBB-Punkten.

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