Bitburger Braugruppe – Craftwerk Brewing

Bitburger Braugruppe – Craftwerk Brewing

 

Nicht schlecht wunderte ich mich, als der Postbote unvermittelt ein Kiste bei mir abgab. Bereits von außen gut als Bierspezialitäten von Craftwerk erkennbar, nahm ich die Herausforderung gerne an, hier nun das Ergebnis:

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Erst kürzlich erzählte mir jemand, dass Bitburger nun der Radeberger Gruppe mit ihren Braufactum-Bieren was entgegenzusetzen habe und dies online super funktioniere.

Auf Nachfrage bei der Brauerei erfuhr ich, dass die Versuchsbrauerei der Bitburger Braugruppe nun umgewidmet wurde und jetzt als Craftwerk Brewing genutzt wird. So muss nicht gleich die gesamte Anlage in Bitburg dafür herhalten. Das Zitat: ‚überschaubare Größe von 20hl’ ist für uns Franken allerdings auch schon eine Nummer, die nicht jeder hier in der Region aufzuweisen hat…

Dass die Braumeister auf Hopfen stehen, passt natürlich gut in die allseits boomende Craft-Bier-Nummer, auf der jeder momentan etwas mitschwimmen möchte. Kalthopfung, Hopfen-und Hefevariationen bis hin zur (mehr oder minder professionellen) Holzfasslagerung sind da so die Schlagworte… Alle löblichen Versuche von Klein- und Kleinstbrauern möchte ich hier nicht schmälern, aber manchmal denkt man, viele befinden sich noch in der trial-and-error-Phase.

Hier bei Craftwerk konzentriert man sich jedoch auf Hopfen- und Hefevarianten, alles soll streng nach dem Reinheitsgebot ablaufen und klassische Bierstile sollen interpretiert werden.

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Anlass für meine Lieferung war die Einführung einer neuen Sommersorte, dem Skipping Stone Summer Ale. Mit 4.8% Vol. allerdings schon ordentliche Umdrehungen für ein Summer Ale. Vier Hopfensorten, teilweise kalt eingesetzt, verleihen dem Bier in der Nase eine blumig-duftige Vielfalt mit diversen Zitrusfrüchten, aber auch grüne, frische Hopfenaromen. Am Gaumen setzt sich das dann fort, um am Ende aber in einem ziemlich heftigen Hopfenbittere-Abgang zu enden. Was für Fans. Mir gefällt die Nase sehr gut, der Abgang ist mir persönlich etwas zu heavy, daher nur 4 von 6 BBBB-Punkten.

Aber es waren ja noch andere Biere im Karton: So das Tangerine Dream Single Hop Pale Ale. Ale, also obergärig, allerdings nicht nur mit Gerstenmalz, sondern auch Weizenmalz, wodurch wir dann auch wieder beim Hefeweizen wären. Allerdings nur in Ansätzen, was die Getreidearomen angeht, denn Hefe und der deutlich verwendete Mandarina Bavaria-Hopfen (eine deutsche Neuzüchtung, die Mandarinenaromen vermittelt) machen das Bier sehr eigenständig. Zuerst sehr cremig, vollfruchtig, reife Mandarinen und kandierte Orangen, super kombiniert mit dem neuen Hopfen geben richtig Gas. Das Bier wirkt schlank, frisch und hebt sich von oft sehr mastigen Weizenbieren deutlich ab. Dann folgt wieder der Hopfenhammer: 4 von 6 BBBB-Punkten.

Es folgt das Howly Cowl, ein obergäriges Bier im Stile belgischer Tripels mit stattlichen 9% Vol. (die man allerdings nicht merkt, zumindest nach einem Bier). Als Fan belgischer heller Biere muss ich sagen, die Stilistik ist gut getroffen, eventuell etwas zu karamellig und die typische, crisp wirkende florale belgische Hefe kommt nicht so ganz raus. Aber dies alles ohne den bei den Belgiern so beliebten Zuckerzusatz, streng nach dem Reinheitsgebot: Sehr schön, 4 von 6 BBBB-Punkten (ja, sehr kräftiger, nach meinem Geschmack etwas zu sehr vortretender Hopfen im Abgang, der dem Ganzen etwas an Harmonie raubt…)

Und noch ein Fläschchen war im Karton (neben dem schönen Verkostungsglas): Das Hop Head IPA7. Ja, die ‚7’ steht für sieben verschiedene Hopfensorten. IPA kennt inzwischen jede Oma, hier soll aber ein American IPA interpretiert werden. Sozusagen die Interpretation der Interpretation. Denn das, was die Amis da in ihren Microbreweries seit etwa 20 Jahren fabrizieren, ist sozusagen die Extremvariante des englischen Originals mit ordentlich Extra-Hopfen. Umso mehr war ich überrascht, als dieses Bier die größte Hopfenharmonie aller Probeflaschen zutage förderte. Die Hopfensorten, allen voran der Klassiker Cascade, dann noch Centennial, Chinook, Herkules, Taurus, Magnum und Simcoe sind super fein verwoben und toll eingebunden. Die Hopfenvielfalt von grünen, kräuterigen, ätherischen Noten bis hin zu den klassischen Zitrusfrüchten ist absolut spannend, bei jedem Riechen findet man neue Nuancen. Wiederum schmeckt man den Alkohol von 8% Vol. nicht wirklich, er trägt allerdings zur Geschmacksvielfalt bei. Noch schlanker als alle anderen Biere ist dies mein absoluter Favorit der Serie. 5 von 6 BBBB-Punkten.

Fazit: Ganz ehrlich? Sehr schöne Bereicherung des ach so hippen Craft-Bier-Marktes, denn hier weiß jemand, wie man Bier braut. Die Biere machen in ihrer deutlichen Differenzierbarkeit alle großen Spaß und gegen unerwartete Bierlieferungen hab ich überhaupt nix!

 

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