Manufakturbiere aus Regensburg – Ein Besuch bei Toni Miller, Spitalbrauerei sowie die Gansbiere aus Neumarkt

Auf unserer jährlichen Wintertour führte uns der Weg diesmal zu Brauereien nach Neumarkt und Regensburg. Nachdem wir die Biere der Neumarkter Gans-Brauerei im Unteren und Oberen Ganskeller ausgiebiger Prüfung unterzogen haben, konnten wir die Herzvergabe im Bierführer Ostbayern nur bestätigen: Das Rotbier sowie das Kellerpils sind nach wie vor ein Herz wert. Das Rotbier eher für Liebhaber malziger Sorten, das Kellerpils, ausschließlich im Oberen Ganskeller vom Fass ausgeschenkt, ist wirklich eine Welt für sich. Klassisch hergestellt, schafft es der Brauer, eine kaum vergleichliche Hopfenfrische und Aromenvielfalt in das Bier zu packen, dass ein absolut außergewöhnliches und probierenswertes Bier entsteht. 5 von 6 BBBB-Punkten. Allerdings bestellen wir das Bier nächstes Mal aus dem Pilsglas. Der gereichte Steinkrug ist zwar authentisch, durch seine Dickwandigkeit und fehlende Transparenz für die Verkostung jedoch etwas hinderlich…

Nun ging es weiter nach Regensburg. Wir hatten im Vorfeld für den Bierführer Ostbayern die Biere der Spitalbrauerei verkostet. Durch die Bank ordentliche, klassische bayerische Biere. Auch die neuen Manufaktur-Biere von Toni Miller, dem Braumeister bei Spital, hatten wir schon einige Male bei Verkostungen für Genuss.Bier.Pur oder bei den Bierquerdenkern kennengelernt. Individuelle Produkte, die uns aber noch nicht ganz überzeugen konnten. Dies mussten wir noch mal verifizieren, kannten wir doch die Biere aus Tonis ‚Heimatbrauerei’, dem Stanglbräu in Herrnwahlthann, die uns alle sehr begeistert haben.

SpitalManufakturbiere

Nun standen wir im neu hergerichteten Verkaufsraum der Brauerei unter historischen Gewölben des Spitals in Regensburg und kosteten uns mit Toni Miller durch die Manufaktur-Linie. Dass hier ständig an der Qualität gefeilt wird, fiel uns sofort beim Pale Ale auf, das nun deutlich präziser schmeckte als früher: Grapefruit dominierte, eine super saubere Nase mit frischem Hopfen sprang uns entgegen, am Gaumen wirkten die vier Hopfengaben äußerst druckvoll mit langem, bitterem Abgang. 4 von 6 BBBB-Punkten.

Danach kam das neue Produkt des Hauses, das Chocolate Stout. Super individuell, absolut fruchtige Nase, feine Süße umrahmt von Schokoladenassoziationen und als krönender Abschluss eine Cascade-Kalthopfung, sehr schön und gelungen, unbedingt probieren, 5 von 6 BBBB-Punkten.

Auch der Weizenbock gefiel uns diesmal sehr gut. Keine klassische Fruchtbombe, kräftig-würzige Noten stehen im Vordergrund, o.k., Früchte sind auch genug dabei. Dann aber als stützendes Rückgrat eine wunderschöne Hopfengabe. Weizenbock mal etwas anders. Das ist wahres bayerisches Craft-Bier 5 von 6 BBBB-Punkten.

Danach gings ins Lager und wir verkosteten das gerade frisch eingebraute, noch etwas reifende Pale Ale, gerade frisch gestopft. Dass der Hopfen und die Grapefruitnoten noch extremer waren und eine sensationelle Frische das Bier begleitete, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen.

SpitalManufakturbiere1

Toni zauberte nun eine Flasche Strong Ale aus dem Lager. Eine der ersten Charge, nun schon einige Jahre gereift. Dies zeigte wieder einmal, dass die Reife hochprozentiger Biere absolut spannend ist, in Zukunft noch viel Potenzial hat, aber leider noch zu sehr unterschätzt wird. Grapefruit, Reife, Süße, weißer Pfeffer dominieren. Zugegeben, auch atypische Bieraromen, wie zum Beispiel grüne Oliven kommen dazu, geben dem Bier aber weitere Tiefe. Keine Spur von kaputt. Der Normalbiertrinker muss sich nur von vorgefertigten Fernsehbieraromen verabschieden und wie mancher Weintrinker offen sein für neue Geschmackswelten. Dann klappts auch mit den Craft-Bieren. 4 von 6 BBBB-Punkten.

Als Abschluss gabs das Strong Ale noch aus dem Barrique (225l-Eichenholzfass, siehe Bild). Dies ist nun wirklich was für Fortgeschrittene, auch ist nicht geplant, diese Mini-Mengen offiziell abzufüllen und zu vertreiben. Was hier allerdings an zusätzlichen Aromen rauszuschnuppern und zu schmecken war, eröffnete dem Verkoster noch mal eine neue Welt der Aromen: Sherry, likörartig, Schokolade, Vanille, ölige Textur, sehr langer Abgang, sensorisch jedoch auch individuell und für manchen Biertrinker wohl schwierig. 4 von 6 BBBB-Punkten

Nichts desto trotz bereichern solche Biere und solche Ideen des Brauers die bayerische Biervielfalt und zeigen wieder mal eindeutig, was alles möglich ist. Danke an Toni Miller für den tollen Einblick!

Abschluss: Natürlich darf in Regensburg der Besuch beim Kneitinger nicht fehlen. Auch hier konnten wird das im Bierführer Ostbayern vergebene Herz für das Pils eindeutlich bestätigen. 5 von 6 BBBB-Punkten. Natürlich sei hier auch das authentische Essen erwähnt, das einen Gastrokritiker zwar nicht hinter dem Ofen hervorlockt, aber nach einer Bierverkostung und zu einer zweiten Bierverkostung vor Ort absolut passt. Leider zeigte sich die überroutiniert wirkende Servicekraft wenig verständnisvoll für die (in der Speisekarte aber explizit ausgewiesene Möglichkeit der) Bestellung kleiner/halber Biere von allen Sorten für jeden Verkoster… Aber wir waren ja für die Wissenschaft da…

SpitalManufakturbiere2

Für die Wissenschaft mussten wir einen weiteren Betreib, die Brauerei Bischofshof, leider aus Zeitgründen auf den nächsten Besuch verschieben. Das Bischofshof Pils aus diesem Hause ist für uns auch ein Klassiker seiner Art und ein Herz wert.

Zwei weitere besuchte Sudstätten in Regensburg sollen hier nicht erwähnt werden. (…)

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