Zweimal unbekanntes Allgäu, einmal bekannteres, südliches Mittelfranken: Wald Bräu in Wald, Schlossbrauhaus Schwangau und Hecht-Bräu Zimmern

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Drei Biere, für Euch verkostet, die man wohl nicht so auf dem Schirm hat, daher auch immer eine kleine Geschichte dazu.

Wald Bräu naturtrüb, 5,1 % Vol. aus dem gleichnamigen und bekannten Wald im Ostallgäu. Um genau zu sein: Zwischen Kempten und Füssen, oder zwischen Marktoberdorf und Nesselwang.

Erstmal vielen Dank fürs Mitbringen an Johannes K. aus C.

Nun handelt es sich bei der Brauerei allerdings um keine normale Allerweltsbrauerei, sondern eigentlich um eine Allgäuer Käserei, die ‚Walder Käskuche’. Vor einigen Jahren hat man dort das Hobby erweitert und ein Bräustüberl mit eigener Gasthausbrauerei eingerichtet. Es werden saisonal unterschiedliche Biere gebraut und nur direkt vor Ort oder im Online-Shop verkauft.

Ich hatte das untergärige Helle, naturtrüb in der schmucken Tonflasche (war da eigentlich Pfand drauf?)

In der Farbe goldgelb mit leichter Hefetrübung. In die Nase kam beim Öffnen des Bügels zuerst ein animierender Duft von frischem Hopfen, der sich auch im Glas wiederfand. Daneben eine sehr frische und eher gelbfruchtige Malzigkeit. Am Gaumen war es sehr frisch und spritzig mit eleganten Malznoten und einer feinen Fruchtigkeit. Allerdings traten auch leichte Zitrusnoten hinzu, die von einer bereits deutlichen (Über?)-Reifung zeugten. (MHD 15.3., verkostet am 5.3.) Aufgrund seiner leichten Überfälligkeit immer noch ordentliche 3 von 6 BBBB-Punkten. Bei frischem Genuss sicherlich 4 Punkte.

Weitere Infos und Bezugsquellen unter: www.walder-kaeskuche.de

 

Dann geht’s weiter mit dem Schlossbrauhaus Schwangau und ihrem Festbier aus der Bügelverschlussflasche mit 5,6% Vol.

Auch diese Flasche stammt von Johannes’ Ausflug ins Allgäu, danke!

Eigentlich unverantwortlich, im Schatten zweier bayerischer Königsschlösser keine eigene Brauerei zu haben, dachten sich die Besitzer und eröffneten im Jahr 2011 das Schlossbrauhaus mit Gasthausbrauerei, Gaststätte, Hotel, umfangreichem Urlaubs-, Ferien- und Kinderangebot bis hin zum Schlossgolf…

Unterschiedliche Biere werden hier saisonal angeboten, nur hier und nur vom Fass… Halt! Ich hab doch ne Flasche bekommen… Dann schauen wir uns die doch mal genau an…

Aber erst die Verkostungsnotiz:

Farbe: Bernstein, leicht hefetrüb

Nase: Klare und präzise Malzaromatik, reif-fruchtig sowie leichte Hopfenbittere

Gaumen: Ebenso schöne, reif-fruchtige Malzigkeit, sehr Märzen-authentisch mit Karamellnoten. Dann deutlich gehopft… ABER: Bleibt da nach dem Schlucken nicht eine leichte, unschöne, weil etwas metallisch wirkende Bittere am Gaumen?

 

Und hier sind wir beim Etikett: Liegt es vielleicht am verwendeten Hopfenextrakt, den das Etikett ausweist? Warum verwendet eine kleine Gasthausbrauerei Hopfenextrakt? Und noch dazu: Wie kommen die kleinen Mengen aus dem glänzenden Kupfersudwerk im Gastraum in die Bügelverschlussflasche?

Also, Etikett weitergelesen und Folgendes gefunden: Gebraut FÜR Schlossbrauhaus Schwangau. Schade eigentlich. Aber was will man den täglich anstürmenden Touristenmassen denn als Mitbringsel auf den Weg nach Hause geben? Das eigene Bier wird vor Ort ausgeschenkt, also lassen wir uns halt eins machen… Allerdings steht vorne auf dem Etikett: ‚Aus dem Dorf der Königsschlösser’. Also was jetzt? Eigentlich meiner rein subjektiven Meinung nach Verbrauchertäuschung, denn das, was da aus dem Dorf der Königsschlösser kommt, ist zwar die abgefüllte Flasche, suggeriert die Aufschrift doch, das Bier komme hier her…

Gebraut und abgefüllt wurde das Bier wohl in einer größeren Brauerei mit dementsprechenden Kapazitäten. Auf Anhieb fällt mir hier Kaufbeuren ein (Bügelverschlussflaschen, ovales Etikett). Dafür spricht auch, dass das Bier eigentlich sehr gut schmeckt und ich die Kaufbeurer Biere auch in sehr guter Erinnerung habe. Dort aber ohne Hopfenextrakt…

Doch wie gesagt, sind alles nur Vermutungen meinerseits, wahrscheinlich befindet sich auf drei Kellergeschossen unter der Gasthausbrauerei eine moderne Brauanlage mit großer, eigener Bügelverschlussflaschenabfüllanlage (cooles Wort…)

Aber wie schmeckt jetzt das Bier aus dem Schlossbrauhaus Schwangau? Muss ich doch mal wieder hinfahren und den Bierführer Schwaben/Allgäu aktualisieren…

Weitere Infos und Bezugsquellen unter: www.schlossbrauhaus.de

 

Nun zurück nach Mittelfranken, allerdings in eine Ecke, die der landbieraffine Bierconnaisseur nicht wirklich auf dem Schirm hat, nämlich zum Hecht-Bräu ins schöne Zimmern, bei Pappenheim, bei Treuchtlingen gleich hinten links.

Vielen Dank für diese Flasche an Rainer H. aus W.

In Zimmern hat sich Bernhard Hecht seit 2011 auf die Fahne geschrieben, individuelle Biere mit individuellen Zutaten zu brauen, alles jedoch unter einer Prämisse: Regional muss es von vorne bis hinten sein. Dem einen oder anderen bereits auf diversen Nürnberger Messen begegnet, gibt’s beim Hechtbräu immer wieder neue, spannende Biervariationen. Er spielt gern mit verschiedenen Malzen und Hopfensorten und raus kommen immer äußerst individuelle Produkte, wie auch dieser Dunkle Weihnachtsbock.

Ebenfalls in der schmucken, diesmal aber weißen und kleineren (0,33l) Ton (?)-Flasche. Auch sehr hübsch, aber wo soll ich mit all’ den Flaschen hin? Sei’s drum, hier die Notiz:

Farbe: Kastanie, kaum hefetrüb

Nase: Herbes Röstmalz, Kräuter, Gewürze, Majoran, Malzbonbons, rotbeerig

Gaumen: Feine Fruchtsüße nach reifen roten Früchten und malzige Karamellsüße. Dann sofort kräftiger Hopfenhammer, durchzogen mit ebenfalls bitteren Noten von Röstmalz. Sehr klar, präzise und sauber, malzig, beerig, im Abgang aber eher was für echte Bittereinheiten-Nerds. 4 von 6 BBBB-Punkten.

Weitere Infos und Bezugsquellen unter: www.hechtbraeu-zimmern.de

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