Brauhaus Bergmann, Glattbach – Biobiere aus dem Spessart

Zugegeben: Ich hatte mir mehr Erfolg für den Bio-Bierführer Deutschland erhofft. Leider ist das Interesse an wirklich reinem Bier bis heute nicht sehr groß. Vor allem nicht bei eingefleischten Biertrinkern. Warum Bio? Wir haben doch das Reinheitsgebot! Oder: Jaja, die Biobiere kann man alle nicht trinken, ist doch eher was für die Wollpulloverfraktion… (musste ich mir erst die Woche wieder anhören). Dass das Reinheitsgebot zwar in vieler Hinsicht hilfreich ist, aber bei Weitem nicht das Ende aller Qualitätsbestrebungen darstellt, ist leider bei den meisten Menschen noch nicht angekommen. Vielleicht auch, weil es immer noch keine wirklichen Verbraucherinformationen gibt, was in Industriebiere alles so reindarf… Und weil die Deklaration bei allen anderen Lebensmitteln bereits weiter fortgeschritten ist, als beim Bier…

Dass Biobier aber auch anders sein kann, beweist Bernd Bergmann aus dem unterfränkischen Glattbach. Dank an dieser Stelle für die Lieferung!

Nördlich von Aschaffenburg gelegen, brauen Bernd Bergmann und sein Kollege Stefan Koch nun seit einigen Jahren Biere in Bioqualität, überdies Bioland®-zertifiziert. Es soll nun nicht als Qualitätskriterium dienen, dass die Biere schmecken, als seien sie konventionell eingebraut, aber das Argument vieler, dass Bio-Biere nur irgendwelchen Öko-Freaks schmecken, sei hiermit bereits entkräftet. Denn die Biere schmecken!

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Diese drei Biere habe ich verkostet:

1. Berndstein, 4,9% Vol.

Wie der Name schon sagt, ein untergäriges, bernsteinfarbenes Bier mit 4,9% Alkohol. Dementsprechend die Farbe: Bernstein, leicht hefetrüb. In der Nase frischer, ätherischer Hopfen, Kräuter, und wenn Boris Braun dem Bier Blutorange und Pink Grapefruit bestätigt, kann ich das absolut nachvollziehen. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen in Richtung kandierte Orangenschale, dezente Malznoten.

Am Gaumen relativ cremige Malzigkeit mit Frische und eleganter Fruchtigkeit. Auch hier Zitrusfrüchte und ihre Schalen erkennbar. Im Abgang relativ herb, gepaart mit leichter Hefebittere. 4 von 6 BBBB-Punkten.

2. Biopils 4,9% Vol.

Farbe: Helles Goldgelb, leicht hefetrüb. Nase:  Absolut individuelle Hopfennnase nach grünen, ätherischen Kräutern, Sommerblumenwiese und Bittemandel. So sollte ein gutes norddeutsches Pils riechen!

Am Gaumen relativ schlank, dann doch ziemlich malzig-würzig und auch vollmundig mit deutlicher Hopfenaromatik. Im Abgang lange Hopfenbittere. Äußerst individuell, probieren! 4 von 6 BBBB-Punkten

3. Bioweizen 4,9% Vol.

Farbe: Bernstein, hefetrüb. Nase: Gewürze, allen voran natürlich die Nelke, dann sehr reif-fruchtige Banane, Cerealien und Hefe.

Am Gaumen zuerst die reife Banane, dann folgen, dezent eingebunden, auch die Gewürze, dann deutliche Hefearomen, die mit der Fruchtigkeit und einer Hefebittere im gemeinsamen Abgang enden. 3 von 6 BBBB-Punkten, da mir persönlich die Hefedominanz mit der einhergehenden Bittere etwas zu heftig ist.

Ganz ehrlich? Sehr spannende Biere, die ja auch noch durch das eine oder andere saisonale Produkt ergänzt werden. Außerdem absolut geeignet, um jeden Anti-Bio-Bier-Trinker davon zu überzeugen, dass Bio nicht nur was für Nachhaltigkeitsfanatiker ohne eigenen Geschmack ist. Denn nur Bio mit Geschmack ist das wahre Reinheitsgebot!

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